Die Toskana ist Sangiovese-Land, und fast alles, wofür sie berühmt ist, ist eine einzige Rebsorte, von der Geografie unterschiedlich gelesen. Chianti Classico zwischen Florenz und Siena, Brunello auf dem warmen Hügel von Montalcino, Vino Nobile in Montepulciano, Morellino unten in der Maremma: dieselbe Sorte, vier sehr verschiedene Angebote.
Die Ausnahme, und die einflussreichere Geschichte, ist die Küste. Ab den 1970er-Jahren pflanzte man in Bolgheri Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc auf Böden ohne jede Weinbautradition — und musste das Ergebnis als schlichten Tafelwein verkaufen, weil die Vorschriften keine passende Kategorie kannten. Sassicaia und seine Nachahmer verkauften sich trotzdem, die Presse nannte sie Super Tuscans, und das Gesetz ordnete sich am Ende um sie herum neu: Bolgheri DOC kam 1994.
Bei den Weißweinen ist die Vernaccia di San Gimignano der historische Name und war 1966 die erste DOC Italiens. Vermentino hat entlang der Küste stetig zugelegt und ist heute der verlässlichere Alltagskauf.
Die praktische Lehre: In der Toskana sagt das Etikett weniger als die Teilzone. Chianti und Chianti Classico sind verschiedene Appellationen; Rosso di Montalcino und Brunello sind verschiedene Weine vom selben Boden; und IGT Toscana umfasst den Supermarktroten ebenso wie die Flasche für mehrere hundert Euro.