Das Roero liegt am linken Ufer des Tanaro, gegenüber den Langhe von Barolo und Barbaresco. Der Unterschied zwischen beiden Ufern ist keiner des Ansehens, sondern der Geologie: hier sind die Böden pliozäne Sande, locker und jünger als die Mergel der Langhe. Der Nebbiolo daraus duftet intensiver, hat feineres Tannin und ist früher zugänglich. DOC seit 1985, DOCG seit 2004; die Landschaft gehört zur 2014 eingetragenen UNESCO-Stätte gemeinsam mit Langhe und Monferrato.
Eine einzige Appellation umfasst zwei Weine, die einander nicht gleichen. Das Roero ist der Rote, mindestens 95 Prozent Nebbiolo, mit mindestens zwanzig Monaten Reifung, davon sechs im Holz, zweiunddreißig bei der Riserva. Das Roero Arneis ist der Weiße, mindestens 95 Prozent Arneis. Wer „ein Roero" ohne Zusatz bestellt, kann beides bekommen.
Der Arneis verdient seine eigene Geschichte. In den sechziger Jahren war er nahezu verschwunden: eine schwierige, wenig ertragreiche Sorte, die man neben dem Nebbiolo in der Zeile hielt, mehr um Vögel abzulenken als um Wein daraus zu machen. Der Name bedeutet im Piemontesischen etwa „Schlingel" und verweist auf den widerborstigen Charakter der Traube im Weinberg wie im Keller. Ihre Wiedereinführung als sortenreiner Wein ab Ende der sechziger Jahre gehört zu den geglückten Sortenrettungen des Piemont.
Im Glas ist der Arneis ein Weißwein mittleren Körpers mit Birne und Mandel und zurückhaltender Säure — weshalb er recht jung getrunken werden sollte. Der rote Roero ist die Wahl für alle, die Nebbiolo ohne das Warten von Barolo und Barbaresco suchen, zu einem Preis, der nicht der des gegenüberliegenden Ufers ist.