Montepulciano ist eine Rebsorte, eine der meistangebauten Italiens, und die Herkunft, die ihren Namen trägt, ist seit 1968 DOC. Die toskanische Stadt Montepulciano erzeugt dagegen den Vino Nobile, und der ist Sangiovese: ein Name, zwei völlig verschiedene Weine. Die Verwechslung kommt die Abruzzen teuer zu stehen, denn sie lässt einen durch und durch adriatischen Wein toskanisch erscheinen.
Das Gebiet ist groß und erstreckt sich über alle vier Provinzen, von den küstennahen Hügeln bis in Lagen, in denen die Reife unsicher wird. Vorgeschrieben sind mindestens 85 Prozent Montepulciano, für den Rest ist Sangiovese zugelassen; die Riserva kommt nach mindestens zwei Jahren in den Verkauf, davon ein Teil im Holz. Im Glas: dichte Farbe, dunkle reife Frucht, mäßige Säure und ein Tannin, das im besten Fall staubig und weich wirkt statt kantig.
Keine italienische Herkunft deckt eine größere Preisspanne ab. Unter derselben Bezeichnung stehen der Literwein für drei Euro und international bewertete Flaschen, und das Etikett allein trennt sie nicht. Drei Hinweise helfen: der Erzeuger, die Nennung einer Untereinheit — auf Flaschen, die wir führen, erscheinen etwa Casauria und Terre dei Vestini — und die Riserva, die immerhin Zeit erzwingt.
Wer dieselbe Idee in strengerer Fassung sucht, geht nach Norden in die Provinz Teramo, wo der Montepulciano eine eigene DOCG mit engeren Regeln hat. Die Colline Teramane führen wir auf einer eigenen Seite, denn sie sind eine andere Herkunft und keine höhere Stufe dieser hier.