Chianti Classico ist nicht die gehobene Variante des Chianti, sondern eine eigene Herkunftsbezeichnung mit eigenem Regelwerk. Ihre Grenzen zog 1716 Cosimo III. de' Medici, womit sie zu den ersten abgegrenzten Weinbaugebieten überhaupt zählt; sie umfasst neun Gemeinden in den Hügeln zwischen Florenz und Siena. Die Weine tragen den Gallo Nero, den schwarzen Hahn. Das Chianti DOCG ist dagegen ein weit größeres Gebiet, das sich darum herumlegt — zwei verschiedene Appellationen, nicht zwei Stufen derselben Sache.
Die Rebsorte ist Sangiovese, mindestens 80 Prozent. Dieser Mindestwert erzählt die ganze jüngere Geschichte. Die Vorschriften von 1967 verpflichteten die Erzeuger, weiße Trauben beizumischen — Trebbiano und Malvasia —, ein Erbe der alten Governo-Praxis, das im großen Maßstab angewandt den Wein blass und spitz werden ließ. Weiße Trauben wurden zunächst freigestellt und 2006 vollständig verboten. Vieles von dem, was man als dünnen Chianti in der Bastflasche erinnert, ist die Erinnerung an diese Regel, nicht an den Ort.
Es gibt drei Stufen, und sie unterscheiden vor allem die Reifezeit. Annata kommt nach mindestens zwölf Monaten in den Verkauf. Riserva verlangt vierundzwanzig, davon drei auf der Flasche. Gran Selezione, 2014 eingeführt, verlangt dreißig Monate und muss aus eigenen Trauben stammen; seit der Revision von 2023 zudem mindestens 90 Prozent Sangiovese, und nur autochthone Sorten sind zugelassen.
Die für Käufer nützlichste Neuerung sind die UGA — elf Unità Geografiche Aggiuntive, benannte Teilzonen wie Panzano, Lamole, Radda, Montefioralle oder Castelnuovo Berardenga, die auf Gran-Selezione-Etiketten stehen dürfen. Lamole auf 600 Metern und Castelnuovo Berardenga am warmen Südrand bringen erkennbar unterschiedliche Weine hervor, und das Etikett darf das endlich sagen.