Montalcino ist ein Städtchen südlich von Siena, wärmer und trockener als das Chianti Classico und im Westen vom Monte Amiata geschützt. Brunello entsteht dort ausschließlich aus Sangiovese — Brunello ist der lokale Name eines lange für eigenständig gehaltenen Klons — und erhielt 1980 als einer der ersten Weine Italiens den DOCG-Status.
Die prägende Auflage ist die Reifezeit: fünf Jahre, gerechnet ab dem 1. Januar nach der Ernte, davon mindestens zwei im Holz; die Riserva verlangt sechs. Eine 2020 gelesene Traube darf also erst 2025 als Brunello verkauft werden. Das ist keine Zierde — der Sangiovese kommt hier mit einem Tannin an, das diese Zeit braucht, und die Weine sind eher strukturiert, herzhaft und lang als sofort zugänglich.
Jedes ernsthafte Weingut erzeugt außerdem einen Rosso di Montalcino DOC, der schon nach einem Jahr in den Verkauf kommt. Oft sind es dieselben Lagen und dieselben Hände, deklassiert oder für den früheren Genuss gelesen — und es ist der zuverlässigste Weg, den Stil eines Erzeugers zu verstehen, ohne ein halbes Jahrzehnt zu warten oder Brunello-Preise zu zahlen.
Die Zone ist klein und der Name wertvoll, was sie ungewöhnlich stark unter Beobachtung stellte: 2008 drehte sich die Affäre Brunellopoli um den Vorwurf, einige hätten andere Trauben als Sangiovese verschnitten. Das Regelwerk blieb unverändert, und die Reinsortigkeit ist bis heute der Sinn des Ortes.