Barolo ist Nebbiolo und sonst nichts. Er stammt aus elf Gemeinden der Langhe südwestlich von Alba und war 1980 einer der ersten italienischen Weine mit DOCG-Status. Nebbiolo ergibt einen farblich blassen Wein — oft schon nach wenigen Jahren mit orangem Rand — und ist zugleich enorm tanninreich und säurebetont. Dieser Abstand zwischen Aussehen und Struktur ist das größte Missverständnis und der Grund, warum so viele Flaschen ein Jahrzehnt zu früh geöffnet werden.
Die Mindestreifezeit beträgt achtunddreißig Monate ab dem 1. November des Erntejahres, davon mindestens achtzehn im Holz; die Riserva verlangt zweiundsechzig. Praktisch heißt das: Ein Barolo erreicht das Regal im vierten oder fünften Jahr, und die guten fangen dann erst an.
Die eigentliche Arbeit leistet die Geologie. Das Gebiet liegt auf zwei Formationen. Die tortonischen Mergel von La Morra und der Gemeinde Barolo ergeben duftigere, früher zugängliche Weine; die älteren, sandigeren serravallischen Böden von Serralunga d'Alba, Monforte und Castiglione Falletto bringen strengere, langsamere, langlebigere Flaschen hervor. Erzeuger erklären das, bevor sie über ihr Holz sprechen — zu Recht.
Seit 2010 darf das Etikett eine MGA tragen, eine Menzione Geografica Aggiuntiva: 181 kartierte Lagen wie Cannubi, Brunate, Vigna Rionda oder Bussia. Es ist keine Hierarchie im burgundischen Sinn — keine MGA steht offiziell über einer anderen. Es ist eine Herkunftsangabe, und drei oder vier davon zu kennen bringt mehr als jede Punktzahl.