Barbera ist die meistangebaute Sorte des Piemont und war lange dessen Werktagswein, während dem Nebbiolo die Anlässe vorbehalten blieben. Ihr Profil ist ungewöhnlich: dichte, fast schwarze Farbe, sehr hohe Säure und zugleich bemerkenswert wenig Tannin. Das ist die genaue Umkehrung des Nebbiolo, der blass und tanninreich ist, und es erklärt, warum Barbera trotz ihrer Säurestruktur sofort trinkbar wirkt.
Zwei Appellationen zählen besonders. Die Barbera d'Asti, seit 2008 DOCG, wächst auf kalkreicheren Böden und ergibt straffere, aufrechtere Weine. Die Barbera d'Alba, eine DOC, wächst in den Barolo-Hügeln selbst, oft auf den für Nebbiolo weniger geeigneten Parzellen, und gerät meist runder und fruchtiger. 2014 wurde die beste Teilzone des Astigiano als Nizza DOCG ausgegliedert, mit niedrigeren Erträgen und längerer Reifung.
Die Wende hat ein Datum und einen Namen: 1982 füllte Giacomo Bologna den Bricco dell'Uccellone ab, eine im Barrique gereifte Barbera zum Preis eines großen Weins. Er zeigte, dass die Säure der Sorte in Verbindung mit Holz die Reifung trägt. Seither lebt die Appellation mit zwei Identitäten — dem Alltagsroten und der Flasche zum Nachdenken —, und beide sind berechtigt.